Attraktive Geschäftsräume im Zentrum Leipzigs

Das Lipanum am Martin-Luther-Ring

Die Pläne liefert der aus Norwegen stammende Architekt Peter Dybwad (1859-1921). Dieser hatte zusammen mit seinem Studienfreund Ludwig Hoffmann 1885 - für beide völlig unerwartet - den Architektenwettbewerb für den Neubau des Reichsgerichtshofes gewonnen. Im Gegensatz zu seinem Kompagnon blieb Dybwad auch nach Fertigstellung des wilhelminischen Kolossalbaus 1895 in Leipzig. Damit befand sich das ideale Referenzobjekt gleich um die Ecke, für sich und seine Familie hatte Dybwad die (kriegszerstörte) Villa Ferdinand-Rhode-Straße 32 geschaffen. Folglich litt auch sein Architekturbüro nicht gerade unter Auftragsmangel: Neben weiteren Wohnbauten im Musikviertel entstanden auch repräsentative Herrensitze im Leipziger Umland sowie einige Geschäftshäuser in der Innenstadt.

Dazu zählt auch der Neubau Rathausring 13, mit ihm schuf Peter Dybwad sein letztes wichtiges Projekt. Historisierende Elemente wie Säulen, Pfeiler, Vasen und Dachreiter, aber auch Reliefs in Form von Festons, Frauenmasken sowie Löwen- und Widderköpfen werden sparsam aber wirkungsvoll eingesetzt. Damit strahlt das Bauwerk eine gewisse Monumentalität aus, die charakteristisch für die Architektur in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ist.

Eine der ersten Firmen, die im neuen Geschäftshaus ein neues Domizil finden, ist der Verlag Otto Beyer, der zwischen den Weltkriegen im deutschen Blätterwald vor allem für seine Frauenzeitschriften bekannt ist. Nach dem Kriegsende 1945 firmiert das Unternehmen zunächst unter der Bezeichnung "VEB Otto Beyer - Verlag für die Frau". Später entfällt der Name des Firmengründers, noch später das ominöse Kürzel VEB. Der Verlag für die Frau existiert übrigens bis heute.

Weiterhin residiert das Bankhaus Knauth, Nachod & Kühne in den neuen Geschäftsräumen. Die Firma war bereits 1852 als Tuch- und Kommissionsgroßhandlung gegründet wurden. Deren kommerzieller Schwerpunkt verlagerte sich jedoch bald in Richtung Finanzgeschäft, so dass man sich ab 1871/72 als angesehene Privatbank mit exzellenten Geschäftskontakten in die USA etablieren konnte. 1945 wird das Bankhaus als eines von 80 sächsischen Kreditinstituten durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) geschlossen.

Zu den Nachkriegsmietern im nunmehrigen Martin-Luther-Ring 13 gehören neben dem neu gegründeten VEB Geophysik auch einige Büroabteilungen des Schwermaschinenkombinates TAKRAF, das u. a. aus der einst weltbekannten Seilbahnfabrik von Adolf Bleichert in Gohlis hervorgegangen war.

1969 zieht die gerade neu gegründete Handelshochschule mit einem Großteil ihrer Sektionen hier ein. Für Lehrveranstaltungen steht nun sogar ein kleiner Hörsaal zur Verfügung, der jedoch in Ermangelung einer Turnhalle bald als solche umgebaut wird. Doch schon Ende 1991 steht die DDR-Version der HHL kurz vor ihrer Auflösung und gibt sämtliche von ihr genutzten Räumlichkeiten an die Stadt Leipzig (die mittlerweile Eigentümer des Geschäftshauses ist) zurück.

In den Jahren 1995/96 erfolgt eine umfassende, längst überfällige Sanierung durch die Mannheimer Bilfinger+Berger Projektentwicklungs GmbH, die in diesem Zusammenhang hier ihre Leipziger Niederlassung einrichtet. In dieser Zeit entsteht auch der neue Hausname Lipanum, offenbar eine Abwandlung des altslawischen Wortes "lipa", das für "Linde" oder "Lindenort" und damit sinnbildlich auch für Leipzig steht.

 

Noch heute erinnern einige Orte an die ehemaligen Gärten und deren Besitzer: Eine Gasse heißt seit 1923 Apels Garten (später auch ein Restaurant). Während Erdmann Traugott mit der 1906 benannten Reichelstraße geehrt wird, weisen die Moritzstraße (1840-1985, heute Manetstraße) sowie die Alexanderstraße (seit 1848) auf seine Söhne hin. Der Dorotheenplatz sowie zwei gleichnamige "Höfe" (Gebäudeensembles von 1891 und 1987) erinnern an seine Tochter (von 1845 bis 1912 war auch die heutige Otto-Schill-Straße nach der Mutter Karl Heines benannt).


Frank Rohn, November 2009

Quellen:
Horst Riedel, Stadtlexikon Leipzig. Pro Leipzig 2005
Innere Westvorstadt, eine historische und städtebauliche Studie, Pro Leipzig 1998
Lexikon Leipziger Straßennamen, Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig 1995
Leipzig Archiv (Sammelwerk), Archiv-Verlag Braunschweig 1994-2003


Lipanum Geschichte Attraktive Büroräume in Leipzig
© Foto Hermann Walter | Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Das Lipanum am Martin-Luther-Ring

Der Kaufmann Reichel beabsichtigt von Anfang an eine effektivere Nutzung des Gartens, so legt man auf dem Gelände um 1820 bis zu hundert Pachtgärten an, teilweise mit kleinen Sommerhäusern bebaut. 1839 beginnen Reichels Erben schrittweise mit der Parzellierung und dem Verkauf der Gartenanlagen. Dieser Prozess verläuft parallel zur Neubebauung und dauert noch bis zur Wende zum 20. Jahrhundert an.

Die gerade vor dem Reichelschen Vorderhaus entstehende Ringstraße nannte man ab 1839 offiziell "An der Pleiße", mit Beginn der Bauarbeiten am Neuen Rathaus kam 1898 die Bezeichnung Rathausring und erst 1933 zum 450. Geburtstag des Reformators erfolgte die Benennung in Martin-Luther-Ring.

Von hier aus führt als einziger Zugang eine enge Tordurchfahrt im Reichelschen Vorderhaus mit anschließender Brücke über den Mühlgraben zur Hauptachse des Gartens, der damaligen Dorotheenstraße. Dies erweist sich zunehmend als Verkehrshindernis, Abhilfe schafft 1890 der Abbruch des nördlichen Gebäudeflügels. Im Folgenden entstehen hier nach Plänen des Architekten Paul Jacobi zwei symmetrisch gestaltete Eckbauten in den prachtvollen Formen der Neorenaissance. Die beiden Wohn- und Geschäftshäuser werden Dorotheenhof genannt und bilden noch heute das Tor zur Westvorstadt.

Doch auch der verbliebene Teil von Reichels Vorderhaus entsprach mittlerweile nicht mehr den neuen Maßstäben zeitgemäßer großstädtischer Bebauung. Daran konnte auch das ebenso beliebte wie traditionsreiche Café Metz im Erdgeschoss mit seinen täglichen Konzert- und Varietéaufführungen nichts ändern.

An gleicher Stelle wird in den Jahren 1914/15 ein moderner Geschäftshausneubau errichtet. Die Pläne dafür liefert der aus Norwegen stammende Architekt Peter Dybwad (1859-1921). Dieser hatte zusammen mit seinem Studienfreund Ludwig Hoffmann 1885 - für beide völlig unerwartet - den Architektenwettbewerb für den Neubau des Reichsgerichtshofes gewonnen. Im Gegensatz zu seinem Kompagnon blieb Dybwad auch nach Fertigstellung des wilhelminischen Kolossalbaus 1895 in Leipzig. Damit befand sich das ideale Referenzobjekt gleich um die Ecke, für sich und seine Familie hatte Dybwad die (kriegszerstörte) Villa Ferdinand-Rhode-Straße 32 geschaffen. Folglich litt auch sein Architekturbüro nicht gerade unter Auftragsmangel: Neben weiteren Wohnbauten im Musikviertel entstanden auch repräsentative Herrensitze im Leipziger Umland sowie einige Geschäftshäuser in der Innenstadt.

Dazu zählt auch der Neubau Rathausring 13, mit ihm schuf Peter Dybwad sein letztes wichtiges Projekt. Historisierende Elemente wie Säulen, Pfeiler, Vasen und Dachreiter, aber auch Reliefs in Form von Festons, Frauenmasken sowie Löwen- und Widderköpfen werden sparsam aber wirkungsvoll eingesetzt. Damit strahlt das Bauwerk eine gewisse Monumentalität aus, die charakteristisch für die Architektur in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ist.

Eine der ersten Firmen, die im neuen Geschäftshaus ein neues Domizil finden, ist der Verlag Otto Beyer, der zwischen den Weltkriegen im deutschen Blätterwald vor allem für seine Frauenzeitschriften bekannt ist. Nach dem Kriegsende 1945 firmiert das Unternehmen zunächst unter der Bezeichnung "VEB Otto Beyer - Verlag für die Frau". Später entfällt der Name des Firmengründers, noch später das ominöse Kürzel VEB. Der Verlag für die Frau existiert übrigens bis heute.

Weiterhin residiert das Bankhaus Knauth, Nachod & Kühne in den neuen Geschäftsräumen. Die Firma war bereits 1852 als Tuch- und Kommissionsgroßhandlung gegründet wurden. Deren kommerzieller Schwerpunkt verlagerte sich jedoch bald in Richtung Finanzgeschäft, so dass man sich ab 1871/72 als angesehene Privatbank mit exzellenten Geschäftskontakten in die USA etablieren konnte. 1945 wird das Bankhaus als eines von 80 sächsischen Kreditinstituten durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) geschlossen.

Zu den Nachkriegsmietern im nunmehrigen Martin-Luther-Ring 13 gehören neben dem neu gegründeten VEB Geophysik auch einige Büroabteilungen des Schwermaschinenkombinates TAKRAF, das u. a. aus der einst weltbekannten Seilbahnfabrik von Adolf Bleichert in Gohlis hervorgegangen war.

1969 zieht die gerade neu gegründete Handelshochschule mit einem Großteil ihrer Sektionen hier ein. Für Lehrveranstaltungen steht nun sogar ein kleiner Hörsaal zur Verfügung, der jedoch in Ermangelung einer Turnhalle bald als solche umgebaut wird. Doch schon Ende 1991 steht die DDR-Version der HHL kurz vor ihrer Auflösung und gibt sämtliche von ihr genutzten Räumlichkeiten an die Stadt Leipzig (die mittlerweile Eigentümer des Geschäftshauses ist) zurück.

In den Jahren 1995/96 erfolgt eine umfassende, längst überfällige Sanierung durch die Mannheimer Bilfinger+Berger Projektentwicklungs GmbH, die in diesem Zusammenhang hier ihre Leipziger Niederlassung einrichtet. In dieser Zeit entsteht auch der neue Hausname Lipanum, offenbar eine Abwandlung des altslawischen Wortes "lipa", das für "Linde" oder "Lindenort" und damit sinnbildlich auch für Leipzig steht.

 

Noch heute erinnern einige Orte an die ehemaligen Gärten und deren Besitzer: Eine Gasse heißt seit 1923Apels Garten (später auch ein Restaurant). Während Erdmann Traugott mit der1906 benannten Reichelstraße geehrt wird, weisen die Moritzstraße (1840-1985, heute Manetstraße) sowie die Alexanderstraße (seit 1848) auf seine Söhne hin. Der Dorotheenplatz sowie zwei gleichnamige "Höfe" (Gebäudeensembles von 1891 und 1987) erinnern an seine Tochter (von 1845 bis 1912 war auch die heutige Otto-Schill-Straße nach der Mutter Karl Heines benannt).


Frank Rohn, November 2009

Quellen:
Horst Riedel, Stadtlexikon Leipzig. Pro Leipzig 2005
Innere Westvorstadt, eine historische und städtebauliche Studie, Pro Leipzig 1998
Lexikon Leipziger Straßennamen, Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig 1995
Leipzig Archiv (Sammelwerk), Archiv-Verlag Braunschweig 1994-2003


Lipanum Geschichte Attraktive Büroräume in Leipzig
© Foto Hermann Walter | Stadtgeschichtliches Museum Leipzig